Social Media Lexikon 

Interview

Interview mit dem Informationswissenschaftler Dr. William Sen am 20.05.2011
von A. Prasch

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Interview 

Warum spielt Social Media im HR eine immer mehr bedeutende Rolle?
Dr. William Sen:
Grundsätzlich wird Social Media nicht nur im Marketing eingesetzt. Bei Unternehmen spielt Social Media in der PR, im Issue-Management, in der internen und externen Kommunikation und Marktforschung eine Rolle. Ich stelle fest, dass im Bereich Recruiting allerdings momentan nicht sehr viel passiert. Die HR schöpft die ihr sich bietenden Möglichkeiten nicht aus und ist im Bereich Social Media noch sehr weit zurück. Das kann in der Kultur der HR liegen, die sich in Vergangenheit schon immer schwer getan hat, sich an neue technische Gegebenheiten anzupassen. Bereits zu Zeiten des Web 1.0 haben einige versäumt, diese Kanäle zu nutzen, stattdessen hat man weiter in Zeitungen inseriert. Nun bietet sich Social Media als Chance für das Recruiting. Und es läuft leider nicht darauf hinaus, dass das Medium auch in Social Media – Manier genutzt wird. Es wird lediglich z. B. in einer Banner- und Werbe–Manier auf sich aufmerksam gemacht.

Welche Vorteile erhoffen sich Unternehmen durch Social Media eigentlich?
Die Kommunikation findet bereits schon im Web statt. Das Issue-Management hat beispielsweise gemerkt, dass die Unternehmen auch als Arbeitgeber in den Vordergrund gerückt sind. Es ist nicht nur die Aufgabe des Issue-Managements und der PR, sondern auch die HR muss hier die Aufgabe übernehmen, diese Kanäle zu beobachten, um das Image des eigenen Unternehmens zu messen. Diesmal aber mit der Fragestellung, wie stehe ich als Arbeitgeber dar.
Neben den typischen Bewertungsportalen für Arbeitgeber findet aber die Kommunikation und damit einhergehend die Bewertung von Arbeitgebern auch in Foren, Blogs, Twitter und Facebook statt. Die potenziellen Bewerber erzählen beispielsweise über ihre Bewerbungsgespräche. Teilweise werden Unternehmen beleidigt, Polemik ist durchaus der Fall und ehemalige Mitarbeiter, die gekündigt wurden, legen ihre Kündigungsgründe offen. Es wird ganz offen über Gehälter, Abteilungsleiter, oder die Unternehmenskultur gesprochen. Ein potenzieller Arbeitnehmer, der nun in diesen Kanälen liest und sich für ein Unternehmen interessiert, bekommt natürlich einen Eindruck vom Unternehmen. Hier erkennt man, dass nicht nur das Issue–Management verantwortlich sein kann. Die Chance für das Recruiting besteht darin, diese Social-Media-Kanäle zu beobachten.

Wie sehen hierbei die Schritt aus?
Im ersten Schritt wird erst beobachtet. Am besten mit einem professionellen Social Media Monitoring. Hiernach muss in dieser Community allerdings eine Interaktion stattfinden, wozu das Unternehmen einen Konzept benötigt. Für das Recruiting bietet sich also die Chance zu beobachten, zu verstehen, und im letzten Schritt zu handeln.

Ist Social Media aus Sicht der HR überlebensnotwendig?
Das kommt drauf an, was Sie mit Überleben meinen. Reden wir hier von der Existenzberechtigung einzelner Mitarbeiter, also um deren Jobs, dann ja. Das Thema wird sich in den nächsten Jahren in jedem Fall intensivieren. Der Druck von oben, d. h. vom höheren Management, wird zunehmen. Und wenn der einzelne Mitarbeiter nicht weiß, was unter Social Media zu verstehen ist, dann wird er seine Bedeutung im Unternehmen immer weiter verlieren. In der Regel sind dann bereits ein paar Jahre vergangen und Unternehmen bzw. deren Abteilungen (Marketing, Marktforschung, PR), die bereits erfolgreich mit Social Media arbeiten, kennen sich mit dem Thema bereits aus. Wenn der HR-Bereich sich bis dahin nicht mit dem Thema auseinandergesetzt hat, wird das die Abteilung von der Kompetenzstruktur her also nicht überleben. Dies kann als internes Problem festgehalten werden.
Ob das Unternehmen das überleben wird, ist eine sehr strategisch gerichtete Frage. Bei großen Konzernen spielt natürlich die Stärke des Teams eine Rolle. Ich denke gerade im Innovationsbereich, Produktentwicklung und Produktinnovation, hat ein Unternehmen erhebliche Nachteile, wenn es nicht die richtigen Leute im ansprechen kann.

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