Heimliche Botschaften

PR auf allen Kanälen

29.05.2009, Originalbeitrag von A. Hagelüken

heimlichen Botschaften 

Mit einem ganzen Kranz an Instrumenten versuchen Konzerne, in der Öffentlichkeit ein geschöntes Bild von sich zu zeichnen. Gefärbte Wikipedia-Einträge gehören ebenso dazu wie bezahlte Studien.

Berichte in den Medien, Marktforschungsstudien und Leserbriefe – alles vermeintlich objektive Quellen, die ein wahrheitsgemäßes Meinungsbild über einen Konzern zeichnen sollten. Tatsächlich wurden alle von einer PR-Firma lanciert, in dem Auftrag, den betreffenden Konzern in positivem Licht darzustellen. Auftraggeber: Die Deutsche Bahn. Der Marketing-Chef der Deutschen Bahn wurde daher am Freitag vom neuen Vorstandvorsitzenden Rüdiger Grube entlassen. Für den Mediennutzer bleibt die Frage, ob es sich um eine Ausnahme handelt oder ob auch viele andere Unternehmen auf diese Weise versteckte Verkaufsförderung für ihre Produkte betreiben. Für den Vorsitzender des Deutschen Journalistenverbands, Michael Konken, ist ausgemacht, dass immer häufiger PR-Agenturen von Konzernen beauftragt werden, um deren Image aufzupolieren.

Kurzer Draht zum Vorstand
Für hohe Honorare – fünfstellige Summen pro Monat sind im Gespräch – werden Journalisten von PR-Beratern mit – teils authentischen, teils gefakten – Exklusivmeldungen versorgt und transportieren diese über ihre Medien. Im Gegenzug bekommen sie einen Kontakt zur Führungsebene des Unternehmens. Vor kurzem beauftragte ein großes Pharma-Unternehmen eine Agentur, Argumente gegen den Übernahmeversuch durch die Konkurrenz zu sammeln. In der Yellow-Press wurde der Chef des konkurrierenden Unternehmens als rücksichtslos und aggressiv dargestellt – die Übernahme kam nicht zustande. Angesichts der Bedeutung des Mediums Internet ist auch diese Informationsquelle mittlerweile ins Blickfeld von Unternehmen geraten. Die Social-Media-Monitoring-Firma infospeed hat in einer Studie herausgefunden, dass es sich bei den allermeisten Foren und Blogs zu Versicherungsthemen um Werbung handelt.

In Wikipedia kann jeder mitschreiben
Selbstverständlich schreiben Konzerne auch in Wikipedia mit. Werte von Fluglärm werden von Fluggesellschaften geändert, Ölkonzerne verharmlosen die Schäden, die durch Tankerunglücke entstehen. Inwieweit dem Internet-Nutzer solche Machenschaften auffallen, ist nicht klar.

Um ihr Bild in der Öffentlichkeit positiv zu beeinflussen, bezahlen Unternehmen auch schon einmal wissenschaftliche Studien. Ein US-Mediziner hat anhand von 200 Studien zu möglichen Gesundheitsschäden durch Softdrinks und Säften herausgefunden, dass diejenigen Studien, die von Unternehmen gesponsort wurden, stets positiver ausfielen. Wenn Medien kostenlose Berichte oder Filmbeträge zugeschickt bekommen, handelt es sich in den meisten Fällen ebenfalls um versteckte Werbung für ein Produkt. Michael Konken sieht eine Verantwortung auch bei den Medien. Aus Mangel an Zeit und Budget würden immer häufiger Artikel, die eigentlich Werbung sind, nicht erkannt und abgedruckt.

In TV-Serienformaten und Krimireihen der ARD tauchten vor Jahren Fälle von Schleichwerbung auf. Reise- und Pharmaunternehmen warben in Formaten wie "Marienhof" und "Tatort" versteckt für ihre Produkte. Die Öffentlich-Rechtlichen Sender nahmen sich des Problems an, bei den Privatsendern gibt es allerdings weiterhin häufig  geschicktes Product Placement. Der Journalistenverband fordert,  eine neue EU-Richtlinie zu stoppen, wonach unauffällige Platzierung von Produkten offiziell erlaubt ist. Noch hätten die Bundesländer die Möglichkeit, das Gesetz zu beeinflussen und Schleichwerbung zu erschweren.

 

 

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